Forschungsstelle Osteuropa zur „unerwünschten Organisation“ erklärt

27.08.2026

Mit der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen hat das russische Justizministerium eine weitere deutsche Wissenschaftsinstitution als „unerwünscht“ gelistet. Die Forschungsstelle Osteuropa untersucht historische und aktuelle Entwicklungen im östlichen Europa. Das Archiv der Forschungsstelle dokumentiert die Geschichte des Dissens in der Sowjetunion und ostmitteleuropäischen Staaten im geteilten Europa. Seit dem vollumfänglichen Angriff Russlands auf die Ukraine ist die Forschungsstelle eine wichtige Quelle der Information und Anlaufstelle für politisch gefährdete Wissenschaftler*innen aus der Region. Sie ist seit mehr als drei Jahrzehnten eine Zweigstelle der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde und damit ein fester Bestandteil der osteuropabezogenen Wissenschaftscommunity. Die DGO wurde 2024 vom russischen Justizministerium als „unerwünschte“ und „extremistische“ Organisation eingestuft.

Die Listung der Forschungsstelle Osteuropa als „unerwünscht“ ist ein weiterer Meilenstein in Russlands Feldzug gegen unabhängige Forschung und internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit. Die DGO lehnt diese Listung kategorisch ab und stellt sich in voller Solidarität hinter ihre Mitgliedsorganisation. Die Bundesregierung muss den Zusammenhang zwischen solchen Angriffen und Russlands hybridem Krieg gegen demokratische und pluralistische Staaten klar benennen. Wissenschaftliche und wissenschaftsfördernde Institutionen in Deutschland und darüber hinaus sollten ihre Solidarität mit der Forschungsstelle und weiteren angegriffenen Organisationen bekunden und wissenschaftliche Kooperationen intensivieren. Die Unterstützung angegriffener Organisationen ist ein Lackmustest für die Wissenschaftsfreiheit. Zur Resilienz gehört, sich nicht vorauseilend an den Logiken potentieller Angreifer zu orientieren, sondern Forschungsagenden und Forschungskooperationen selbstbewusst zu bestimmen.