Der Welterklärer
Klaus Mehnerts Aufstieg vom Osteuropa-Experten zum public intellectual der frühen Bundesrepublik
Wie gelangt Expertenwissen in Politik und Öffentlichkeit? Wer wird überhaupt als Expert*in wahrgenommen und rezipiert – und warum? Und was verrät dies über das Bedürfnis einer Gesellschaft nach Orientierung und ihre Erwartungen an Wissen? Diesen Fragen geht das Dissertationsprojekt am Beispiel des Osteuropa-Experten und Publizisten Klaus Mehnert (1906–1984) nach, der in der frühen Bundesrepublik von einem Sowjetunion-Spezialisten zu einem prominenten und medial omnipräsenten Erklärer der Weltpolitik avancierte. In seinem Vortrag untersucht Paul Schröck, mit welchen Strategien Mehnert Expertenautorität aufbauen, sich gegenüber Konkurrenten behaupten und seinen Deutungsanspruch auf immer neue Themenfelder ausweiten konnte. Zudem fragt das Projekt nach den politischen und gesellschaftlichen Bedingungen seines Erfolgs.
Paul Schröck ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Seminar für Neuere und Osteuropäische Geschichte der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
Der Votrag ist Teil des Kolloquiums zur Geschichte Osteuropas des Osteuropa-Instituts an der Freien Universität Berlin