Brüder im Reich, Fremde im Schicksal?
Schlaglichter armenisch-russischer Beziehungen bis 1991
Der Vortrag beleuchtet verschiedene Kontinuitäten und Brüche in den armenisch-russischen Beziehungen im Russländischen Reich und der Sowjetunion. Seit dem 18. Jahrhundert entwickelte sich ein symbiotisches Verhältnis zwischen der armenischen Diaspora und dem Imperium. Dieses versprach den Armeniern physische Sicherheit, religiöse Protektion, ökonomische Chancen und Aufstieg in die politischen und kulturellen Eliten. Armenische Kaufleute, Priester und Adlige spielten wiederum eine Schlüsselrolle bei der Eroberung des Kaukasus und Zentralasiens; als Träger der armenischen Nationalbewegung forderten sie das Imperium jedoch auch heraus. In den Augen der breiten Bevölkerung galten sie mal als treueste Diener des Zaren, mal als hinterhältige Händler oder als Terroristen. Erst im Zuge des sowjetischen Nation-Buildings erlangten die Armenier erstmals wieder eine begrenzte Form von Eigenstaatlichkeit innerhalb der UdSSR, in der das „Nationale“ und das „Sowjetische“ nicht als Gegensätze verhandelt wurden.